Was ist Myzel?

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Repräsentatives Bild des Myzels mit einem Pilz mitten auf einer Menge Wurzeln
Repräsentatives Bild des Myzels mit einem Pilz mitten auf einer Menge Wurzeln

 

 

Das Züchten von Zauberpilzen und –trüffeln ist von einem gewissen Mysterium umgeben. Bis vor relativ kurzer Zeit war die Art und Weise, wie sich Pilze entwickeln, unbekannt, aber die Forschung hat alle Rätsel des  Myzels gelöst, nämlich ein wichtiger Teil des Wachstums der Pilze. Möchten Sie mehr darüber wissen? In diesem Artikel finden Sie die Antworten.

 

 

⭐ Was ist Myzel?

 

 

Als Myzel könnte man das Wurzel- und Verdauungssystem von Pilzen bezeichnen, das heißt, es ist der vegetative Teil des Zauberpilzes. Es besteht aus unzähligen Gruppen von Hyphen. Das Myzel kann sich in wenigen Minuten entwickeln, wenn im Boden die entsprechenden Bedingungen gegeben sind, damit es sich schnell ausbreiten kann.

Das Myzel ist in vielen Bodenarten weltweit und in vielen verschiedenen Größen vorhanden. Erwähnenswert ist ein über 2000 Jahre altes Exemplar von fast 1500 Hektar, das im Osten Oregons gefunden wurde, das bislang größte gefundene Myzel.

 

 

⛳ Hyphen und Myzel

 

 

Die Hyphen sind die Verzweigungen, die die gekeimten Sporen bilden, eine Art Fasern oder Wurzeln, die für die Energiegewinnung der Pilze sorgen. So wie Pflanzen entwickeln Pilze ein Wurzelsystem, um nach Feuchtigkeit und Nährstoffen zu suchen. Die Hyphen wachsen durch das Substrat und formen dabei Netzwerke, um nach Nahrung wie tote Bäume, Insekten und zerfallene Pflanzen zu suchen.

Die Hyphen stellen den gesamten lebenswichtigen Teil der Pilze während des vegetativen Stadiums dar. Wenn sich mehrere Hyphen zusammensetzen, bildet sich eine Rhizomorphe oder einen Mizellenstrang. Die Gesamtheit der Rhizomorphen bildet das Myzel des Pilzes.

 

 

Dieses Bild erklärt, was Hyphen und Myzel sind
Dieses Bild erklärt, was Hyphen und Myzel sind

 

 

✨ Wie entsteht das Myzel?

 

 

Im Allgemeinen sehen wir das sekundäre Myzel, dikaryotisches Myzel genannt, in dem jede Zelle zwei verschiedene Kerne besitzt. Es unterscheidet sich vom primären oder monokaryotischen Myzel, welches nur einen Kern hat und als Erstes entsteht, wenn die Pilzsporen einen idealen Lebensraum für ihre Entwicklung finden.

Wenn Sporen in einem Medium keimen, bilden sie monokaryotisches Myzel, das sich nicht sexuell vermehrt. Wenn 2 kompatible primäre Myzelien in Kontakt kommen, entsteht das sekundäre oder dikaryotisches Myzel, welches die Reproduktion vollzieht, wodurch Pilze oder Sklerotien entstehen.

 

 

🚀 Welche Funktion hat das Myzel?

 

 

Grundsätzlich ist es dafür verantwortlich, Nahrung auf osmotische Weise aufzunehmen. Die Hyphen des Myzels dringen in das Substrat ein und scheiden ein Enzym aus, das die Materie zersetzt, um ihre Nährstoffe zu absorbieren. Wenn die Materie nicht zersetzt wird, liegt sie in Form von nicht verdaulichen Polymeren vor, aber Enzyme lösen diese Polymere auf, wodurch sie leicht assimilierbare Monomere werden.

 

 

✅ Wie wird hausgemachtes Myzel hergestellt?

 

 

Um das Myzel zu erhalten, müssen die Pilzsporen in einem geeigneten und zuvor sterilisierten Substrat gekeimt werden. Es ist wichtig, dass kein Licht einfällt und dass die ideale Temperatur und Luftfeuchtigkeit für seine Entwicklung gehalten wird. Diese Phase ist sehr heikel, vor allem wenn wir direkt mit Sporen arbeiten, und es besteht ein hohes Risiko einer Kontamination durch andere Arten von Pilzen, Bakterien und Insekten.

Es gibt viele verschiedene Arten Substrat für den Anbau von Pilzen, unter anderem Getreidekörner, Holzmehl, Pellets, Stroh, Pappe, Kompost, Agargel, Kaffeereste, Reis oder Honigwasser.

 

Bild von speziellen Substraten für die Züchtung von Myzel*
Bild von speziellen Substraten für die Züchtung von Myzel*

 

 

🔥 Welches Substrat eignet sich für das Wachstum von Myzel am besten?

 

 

Es gibt eine Substratmischung für die Pilzzucht, die effektiver als andere und auch leicht zu bekommen, günstig und praktisch unfehlbar ist, bekannt als die PF-Tek-Methode (Psilocybe Fanaticus Technik).

Bei dieser Methode wird eine Mischung aus 120 ml Vermiculit, 60 ml Vollkornreismehl und 60 ml Wasser in luftdichte Glasgefäße  gegeben. Sie wurde von Robert McPherson (Psilocybe Fanaticus) erfunden.

Die Mischung wird idealerweise in einem großen Behälter zubereitet und dann wie oben beschrieben in die Gläser gegeben. So geht das:

 

  1. Geben Sie die entsprechende Menge Vermiculit in den Behälter.
  2. Fügen Sie nach und nach Wasser hinzu und rühren Sie um, damit das Vermiculit angefeuchtet wird (nicht einweichen, nur anfeuchten).
  3. Fügen Sie das Vollkornreismehl nach und nach hinzu.
  4. Rühren Sie die gesamte Mischung so um, dass sie so homogen wie möglich ist. Sie muss locker und nicht klumpig sein.
  5. Füllen Sie die Glasbehälter vorsichtig mit der Mischung, fast bis zum Rand und ohne zu pressen.
  6. Befüllen Sie das Glas mit einer Schicht Vermiculit, um daraus einen biologischen Filter zu machen.
  7. Reinigen Sie sorgfältig die Ränder des Behälters mit Papier und Alkohol.
  8. Bereiten Sie Alufolie und Gummibänder oder Klebeband vor, um das Glas zu verschließen. Am besten nehmen Sie 2 Schichten Folie, die mit Gummibändern oder Klebeband festgehalten werden. Dies dient als fester Deckel und wird mit der Spritze für die Impfung der Sporen durchgestochen. Ein drittes Stück Folie sollte das Glas schließlich völlig bedecken, sodass es bei Bedarf leicht weggenommen werden kann.

 

 

🎯 Sterilisierung des Substrats

 

 

Sobald die Substratmischung im Glasgefäß vorbereitet ist, wird das Substrat sterilisiert, in dem sich das Myzel entwickeln wird, und dafür brauchen Sie einen großen Kochtopf mit Deckel. Die Sterilisierung ist ein sehr wichtiger Schritt im Pilzzuchtprozess. Damit verhindern wir, dass andere Krankheitserreger unser Wachstumsmedium kontaminieren. Diese muss richtig durchgeführt werden, befolgen Sie also Schritt für Schritt folgende Erklärung:

 

  1. Platzieren Sie ein Metallgestell oder die Originaldeckel der Glasbehälter auf dem Boden des Topfes, damit die Gläser nicht mit dem Boden in Kontakt kommen und aufgrund der Temperatur platzen.
  2. Platzieren Sie die Gläser im Topf auf dem Gestell oder den Deckeln.
  3. Füllen Sie den Topf mit Wasser, bis die Gläser fast bedeckt sind (lassen Sie einen Abstand von 1 oder 2 cm mit dem oberen Rand).
  4. Bringen Sie das Wasser zum Kochen.
  5. Mindestens anderthalb Stunden lang langsam köcheln lassen, es sollte nicht zu stark blubbern, und von Zeit zu Zeit nachschauen, dass das Wasser nicht verdunstet.
  6. Schalten Sie den Herd aus und lassen Sie alles für einige Stunden abkühlen, bevor Sie die Gläser herausnehmen.
  7. Nehmen Sie die sterilisierten Glasbehälter heraus, die für die Impfung der Sporen und Inkubation bereit sind.

 

 

👾 Impfung von Sporen in das Substrat

 

 

Das Impfen der Pilzsporen in das Substrat ist einer der kritischsten Momente beim Züchten von Zauberpilzen oder -trüffeln. Es ist sehr wichtig, dass alle Utensilien, unsere Hände und die Arbeitsumgebung sauber und desinfiziert sind. Dazu muss alles gründlich mit Alkohol gereinigt und eine Maske aufgesetzt werden, damit Sie nicht über die Gläser atmen.

Für diesen Schritt müssen Sie die Sporenspritze der von Ihnen ausgewählten Pilzsorte bereit halten. In unserem Growshop finden Sie einige der besten Sorten der Welt. Hierbei geht es darum, die Sporen vorsichtig in das Substrat einzuführen. 1 ml pro 250 ml Glas reicht aus,  mit 2 ml ist die Besiedlung jedoch schneller. Dies ist der Vorgang:

 

  1. Wenn Sie die Sporenspritze bereit haben, halten Sie die Nadel in die Flamme des Feuerzeugs, bis sie glühend heiß ist, und warten Sie eine Weile, bis sie abgekühlt ist.
  2. Entfernen Sie vorsichtig die letzte Schicht des Foliendeckels vom Glas und lassen Sie die anderen 2 übrig.
  3. Stechen Sie die Nadel vorsichtig durch die doppelte Schicht Alufolie an der Kante vom Glas, bis zum Ende der Nadel.
  4. Injizieren Sie ein Tropfen und drücken Sie nach und nach auf die Spritze weiter, während Sie diese herausnehmen, damit der Inhalt im Substrat verteilt wird.
  5. Dieser Vorgang muss in den anderen Kanten und in der Mitte des Glases wiederholt werden. Denken Sie daran, dass für die 5 Impfungen pro Glas 1 bis 2 ml Sporen ausreichen und dass Sie jedes Mal vor der Impfung die Nadel sterilisieren müssen, das ist äußerst wichtig.
  6. Wenn Sie die Sporen injiziert haben, verschließen Sie wieder das Glasgefäß mit der Folie, die Sie zuvor entfernt hatten. Nun ist das Substrat mit den Sporen für die Inkubation bereit.

 

 

🧐 Wie Myzel gezüchtet wird: Inkubation

 

 

Dieser Teil ist ganz einfach. Sie müssen nur den Glasbehälter mit dem mit Sporen injizierten Substrat an einem dunklen Ort und bei einer Temperatur zwischen 24  und 27 °C aufbewahren. Nach 1 Woche können Sie die Bildung des Myzels sehen, das erst an den injizierten Stellen die ersten Hyphen entwickelt.

Abhängig von den Umgebungsbedingungen und anderen Faktoren dauert es bis zu einem Monat, bis das Myzel das gesamte Substrat kolonisiert hat. Am besten schauen Sie sich die Gläser ab und zu an. Falls Sie Anzeichen von Kontaminierung feststellen, sollten Sie das Glas so schnell wie möglich entsorgen. Wenn Sie sehen, dass die gesamte Außenseite des Behälters besiedelt ist, warten Sie eine weitere Woche, bis auch die Mitte vollständig kolonisiert ist.

 

Bild eines Myzels, das in einem Glas mit der PF-Tek-Methode wächst*
Bild eines Myzels, das in einem Glas mit der PF-Tek-Methode wächst*

 

 

🎬 Kontaminierung des Myzels

 

 

Der Albtraum jedes Pilzzüchters ist die Kontaminierung des Myzels. Dies geschieht aus mehreren Gründen, am häufigsten liegt es an der schlechten Desinfizierung der Gläser, der Arbeitsumgebung oder der Utensilien. Deshalb betonen wir ständig, dass alles so steril wie möglich sein muss.

Das Myzel kann auch aus anderen Gründen kontaminiert sein, zum Beispiel durch andere Pilze, Bakterien oder Insektenbefall. Wenn das Myzel kontaminiert ist, muss man es so schnell wie möglich entsorgen, damit es sich nicht weiter ausbreitet, und alles gründlich desinfizieren, um wieder von vorne anzufangen.

Eine Kontaminierung kann auf verschiedene Arten festgestellt werden, am häufigsten entstehen seltsame Farben im Myzel. Ein komischer Geruch ist ein weiteres unverkennbares Zeichen und bis Sie den Dreh raus haben, geschieht so etwas oft. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Myzel kontaminiert ist, werfen Sie es weg, konsumieren Sie diese Pilze unter keinen Umständen. Wenn Sie wissen möchten, wie Sie eine kontaminierte Pilzkultur leicht identifizieren können, lesen Sie diesen Artikel.
 
Zauberpilze- und trüffel Dosisrechner
 

 

⚠️ Fazit

 

 

Das Myzel ist der Pilz selbst und wenn es sich richtig entwickelt, entstehen Pilze. Es ist jedoch ein ziemlich empfindlicher Organismus, deshalb müssen wir so sauber und methodisch wie möglich arbeiten, wenn wir es selbst züchten wollen. Aus diesem Grund bevorzugen viele Menschen den Kauf von Zauberpilz-Zuchtsets, die dafür schon vorbereitet sind und sich für ihren Preis wirklich lohnen. Wenn Sie den Artikel interessant fanden oder denken, dass er jemandem nützlich sein könnte, teilen Sie ihn, es kostet nichts und kann hilfreich sein.

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Fran Quesada Moya
Fran Quesada Moya
Pevgrow's editor, activist and freak of cannabis in all its fields, especially breeding and development of new varieties.
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